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Blitze tobten über den hohen Türmen Tarantias, der Hauptstadt des großen, altehrwürdigen Aquiloniens. Regen prasselte auf die gewaltige Brücke, welche aus dem Noblenviertel der Stadt hinauf zum Königspalast führte. Mit bis auf die Knochen durchnässter Robe, marschierte Publius der Hohe Kanzler des Königreiches Aquilonien und einer der engsten Berater des neuen, barbarischen Königs Conan, auf die mächtige Burg seines Herrschers zu. Doch der Regen und die klammen Kleider störten Publius nur wenig. Vielmehr warfen die Probleme und Sorgen, die er sich um das Reich und den Thron machte, tiefe Falten auf seine hohe Stirn. Gerüchte um das Wiedererstarken des alten stygischen Magiers Thoth-Amon, der dem aquilonischem König Conan und somit seinem Herrn, blutige Rache geschworen hatte, als auch die ewigen Feinde Aquiloniens, die Nemedier und dessen König Nimed, der die Thronbesteigung Conans als eine Beleidigung gegen das Ständesystem des Westens ansah, stellten nur die Spitze des Eisbergs dar, der für die Gefahren und Probleme stand, die nur darauf warteten, sich auf das aquilonische Reich zu stürzen. Hinzu kamen noch Koth und die Shemitischen Stadtstaaten, die eine Versöhnung angeboten hatten, deren Glaubhaftigkeit jedoch mehr als zweifelhaft erschien. Publius blieb seufzend auf der breiten Brücke stehen und schaute hinab auf den Hafen der Stadt. Ständig strömten neue Menschen, neue Gefahren, in die Stadt und in das Land. Wie sollte er nur dafür sorgen, dass Aquilonien sicher und geschützt sei und die Herrschaft König Conans voller Vertrauen auf seine Dienste bauen könnte. Darauf hatte ihn niemand vorbereitet. Auch in seiner vorherigen, durchaus verantwortungsvollen Position des Kämmerers am aquilonischen Hofe, war er niemals mit solch massiven Herausforderungen konfrontiert gewesen, wie es zum jetzigen Zeitpunkt der Fall war. Mit einem kurzen Stoßgebet zu Mitra und einigen weiteren Gottheiten, marschierte Publius weiter auf das schwere Tor der königlichen Burg zu. Kurz bevor er den schützenden Vorbau erreichte, fegte eine heftige Böe mit martialischer Gewalt über die kleine Person des aquilonischen Kanzlers hinweg und ließ ihn beinahe straucheln. Mit einer letzten Anstrengung rettete sich der alte Mann in das schützende Gemäuer der königlichen Festung. Schwer schlug das Haupttor in seine Angeln zurück. Die Wachen traten zurück an ihre Positionen und verharrten dort diszipliniert und stumm. Nur die Fackeln an den Wänden flackerten, ansonsten währte eine unheimliche Stille in der Festung. Publius räusperte sich, nur um irgendein Geräusch zu hören, ging dann aber weiter in Richtung seiner Gemächer. Dort angekommen zog er an einer Kordel, um seinen Adjutanten Turgan herbeizurufen. Wenige Minuten später klopfte es an seiner Tür und Turgan trat nach Publius Aufforderung ein. Turgan war ein alter aquilonischer Haudegen, der sich in seiner Jugend als Söldner durch ganz Hyborien geschlagen hatte. Vor einigen Jahren, in der Mitte seines Lebens angekommen, wollte er dann aber nach Hause zurückkehren und nahm dankbar im Haus des Publius eine Stelle als sein persönlicher Leibwächter an. Seit dieser Zeit wurde Turgan zu einem der engsten Vertrauten von Publius und genoss dessen absolutes Vertrauen. „Turgan, mein alter Freund“ begann Publius „hättest du doch zwanzig Brüder, die deine Fähigkeiten, deine Loyalität und deinen Charakter hätten. Meine Probleme sähen dann nur halb so aussichtslos und unlösbar aus, wie es zurzeit den Anschein hat.“ „Mein Herr“ antwortete Turgan bestürzt „wie kommt es, dass ihr ein solches Ansinnen habt, bin ich alt und schwach geworden, dass ihr der Meinung seid, ich werde euren Ansprüchen nicht mehr gerecht?“ Publius machte mit der Hand eine abwiegelnde Bewegung. „Nein, mein treuer Turgan, keineswegs, ganz im Gegenteil, ich schätze deine Dienste nach wie vor sehr hoch. Eben deshalb wünsche ich mir mehr solcher tapferen Recken, wie du es bist, um die Aufgaben und Gefahren, die vor uns liegen zu meistern.“ Publius stand auf und ging zum Fenster. Er öffnete die Läden und blickte hinaus über die Dächer und Türme der Stadt Tarantia. „Es muss doch eine Möglichkeit geben,“ begann er erneut „eine Gruppe von Kriegern zu sammeln, die ich für die vielen gefährlichen Missionen verwenden kann, die es zu erfüllen gibt. Du, mein loyaler Turgan, bist viel zu wertvoll, als dass ich es riskieren würde, dich auf eine gefährliche Mission nach Stygien zu schicken, um nach den Spuren Thoth-Amons Ausschau zu halten.“ Turgan wusste nicht recht, wie er auf die Aussage seines Meisters reagieren sollte. Zum einen war er der Meinung, dass keine Gefahr so groß sei, dass man sich ihr nicht stellen sollte. Zum anderen freute es ihn natürlich, dass er in der Wertschätzung seines Meisters so hoch stand, dass dieser sein Leben nicht allzu leichtfertig aufs Spiel setzen wollte. Zumal Turgan seit neustem daran dachte, eine kleine Familie mit Farella zu gründen, eine der Töchter des Schankwirtes der Taverne „Zum Waffenmeister“. „Mein Lord!“ Turgan schrak auf, als ob er von einer Schlange gebissen wurde. „Ich hatte letztens Besuch von meinem Vetter Bregantes aus Messantia. Er erzählte mir von einem Sklavenhändler, der im Auftrag eines stygischen Gesandten Talente in aller Welt suchen sollte, um diese an einen geheimen Ort nach Stygien zu bringen. Er meinte, dass es sich bei diesen Talenten um aussichtsreiche Krieger, Magier, Priester und Schurken aus ganz Hyboria handeln würde. Wenn wir es schaffen, diesem Sklavenhändler einige seiner Waren zu entwenden, könnten wir eine Truppe ganz nach eurem Wunsche aufbauen.“ Hoffnung kehrte in das Gesicht von Publius zurück. „Das klingt doch sehr interessant, mein alter Freund. Ich habe auch gehört, dass Valeria dort in der Gegend der Barachan Inseln ihr Unwesen treibt.“ Publius lachte bei dem Gedanken an die Geschichten, die Conan über Valeria zu erzählen pflegte. „Ich wünsche, dass du dich nach Messantia begibst und Nachforschungen anstellst, wie wir an diese Talente gelangen könnten. Dir stehen alle Mittel zur Verfügung, die du zur Erledigung deiner Aufgabe benötigst. Brich sofort auf, verliere keine Zeit“ wies Publius nun seinen Diener mit formellem Tonfall an. „Jawohl mein Herr“ entgegnete Turgan und verneigte sich kurz „Ich werde euch nicht enttäuschen“ Turgan dreht sich auf dem Absatz um und verschwand aus den Gemächern. Kaum hatte Turgan die Festung in Richtung Argos und seiner Hauptstadt Messantia verlassen, begann Publius mit dem, was er am besten konnte: er plante und organisierte. Er würde sich seinen eigenen Geheimorden schaffen, der seine Aufträge und Missionen erfüllen und dafür sorgen würde, dass die Feinde Aquiloniens und des Barbarenthrons nicht ungestraft ihr Unwesen treiben durften. Zuallererst brauchte dieser Orden einen Stützpunkt, der als Rückzugsort und Operationsbasis dienen sollte. Tarantia wäre hierfür wahrscheinlich nur wenig geeignet, da hier die Aufmerksamkeit von Spionen aller möglichen fremden Mächte auf das Zentrum der aquilonischen Krone gerichtet ist und man dort zuerst geheime Aktivitäten vermuten würde. Poitain aber wäre eine interessante Wahl. Nicht nur, weil Trocero der Graf dieser Provinz und ein weiterer enger Vertrauter König Conans war, nein auch die kleinen, engen Täler Poitains böten einem geheimem Stützpunkt einen guten Unterschlupf. So begann Publius in den darauffolgenden Wochen und Monaten, eine kleine aber gut ausgestattete Festung in Poitain herrichten zu lassen, um in naher Zukunft seinen Orden zu beherbgen. Drei Monate waren vergangen seit Turgan die Festung in Tarantia verlassen hatte, als er abgekämpft und voller Staub und Dreck, aber stolz erhobenen Hauptes zu Publius zurückkehrte. Hinter ihm marschierte eine Schar von grimmig dreinschauenden Recken, aus aller Herren Länder. Publius sah sowohl breitschultrige, mit Fellumhängen gekleidete Cimmerier, dunkel und mystisch anmutende Stygier, als auch narbenübersäte Aquilonier. Sie alle kamen hinter Turgan zum Stehen und verneigten sich, ebenso wie Turgan, vor Publius, dem Hohen Kanzler des aquilonischen Königreiches. „Mein Lord“ entgegnete Turgan feierlich „Ich bringe euch, wie versprochen, einige der Talente, die der stygische Magier Thoth-Amon für sich beansprucht hat. Es ist uns gelungen, den Zauber zu brechen. Sie alle, die hier hinter mir stehen, sind bereit, euch zu dienen und sich für das, was ihnen angetan wurde zu rächen. Sie alle sind gewillt, euch die Treue zu schwören und verlangen als Gegenleistung nur, eure Feinde zu jagen, zu töten und ihre Überreste von der Welt Hyborias zu tilgen. Ich denke, dass wir diese Gegenleistung garantieren können“, meinte Turgan zynisch lächelnd. Publius blickte voller Stolz auf die Schar von Kriegern, Priestern, Magiern und Schurken. Sie alle standen in Reih und Glied vor ihm. Ein jeder in seiner eigenen Gewandung, aber alle mit dem gleichen stolzen und harten Blick, der ohne Furcht auf ihn, Kanzler Publius, gerichtet war. Mit heiserer Stimme begann Publius zu sprechen. „Ihr, die ihr aus den Fängen der Dunkelheit Thoth-Amons befreit wurdet, seid willkommen in einer Gemeinschaft der Stärke und Macht. Wir werden euch formen, ausbilden und zu einer Waffe schmieden, die an Tödlichkeit und Grausamkeit gegenüber unseren Feinden ihres Gleichen suchen wird.“ Publius begann durch die Reihen zu gehen und klopfte einem jeden mit starker Hand auf die Schulter. „Ihr seid der Dolch Aquiloniens, der schnell und präzise hervorschnellt, um dem Feind einen tödlichen Stoß zu versetzen. Ihr seid die Peitsche, die unsere Gegner strafen wird für ihre Listen, Intrigen und Ränke, die sie gegen uns schmieden. Ihr seid die Geister, welche die Hallen unserer Gegner heimsuchen und Angst und Schrecken verbreiten werden. Ihr seid der Athanato Orden! Ohrenbetäubendes Brüllen beantwortete die Worte des Publius, so dass dem erfahrenden Kanzler eine Gänsehaut über den Rücken lief. Er wandte sich ab von der Menge seiner neuen Werkzeuge, denn es gab viel Arbeit die da vor ihm und seinem Orden lag. Möge der Kampf beginnen…! |